Sprachplanung und soziale Entwicklung in ThailandManfred Kummer
ASIEN – Nr. 16 (1985) pp. 84–93
In Indien, Malaysia und in den Philippinen stoßen Versuche, statt der bisher verwendeten Amts- und Verkehrssprachen eine Landessprache einzuführen und zu verbreiten, auf verschiedene Widerstände und – was noch gravierender ist – auf die Gleichgültigkeit der breiten Masse von Bevölkerungsschichten, die Sprachreformen tragen und realisieren müßten.
In Ländern wie der VR China, Birma und Thailand sind Landessprachen entstanden, die von dialektalen Varianten und Minoritätensprachen abzugrenzen sind. Thailands Minderheiten sind nach Zahl und Größe nicht mit denen der VR China zu vergleichen und betonen ihre Andersartigkeit und Autonomiebestrebung nicht durch die Konfrontation, wie es die Stämme in Birma tun. Die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahrzehnte zwingt die thailändische Regierung aber immer mehr, durch flankierende Maßnahmen auf den Opiumanbau und -handel, die Erschließung des Landes durch die Industrie und den Tourismus sowie die im Gefolge entstehende soziale Ungleichheit zu reagieren.
Entscheidungen und Maßnahmen der zentralen Verwaltung Thailands, die auf die Integration von Minderheiten abzielen, werden im europäischen Ausland kritisch und oft auch einseitig oder ideologisch interpretiert. Dabei wird außer Acht gelassen, daß die Öffnung Thailands und die Anpassung an den kulturellen und zivilisatorischen Fortschritt zu Auswirkungen geführt haben, denen die Regierung begegnen muß. In abgelegenen Gegenden sollen jetzt durch Pläne zur Hygiene, Familienplanung, Sanierung der Haus- und Landwirtschaft sowie zur Hebung des allgemeinen Lebensstandards die Voraussetzungen für die soziale Stabilisierung in den Familien und Stammesgemeinschaften von Minderheiten geschaffen werden.









