ASIEN – Nr. 160/161 (Juli/Oktober 2021)
ASIEN – Nr. 160/161 (Juli/Oktober 2021)

Daniel Leese: Maos langer Schatten. Chinas Umgang mit der VergangenheitThomas Weyrauch

ASIEN – Nr. 160/161 (2021) pp. 248–50

München: C.H. Beck, 2020. 606 S., 38 EUR,
ISBN 9783406755453

Denken wir an die Nürnberger und Tokyoter Kriegsverbrecherprozesse, den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien oder an den Ad-hoc-Strafgerichtshof zu Völkermordvorwürfen in Ruanda, so bewegten sich jene Tribunale auf dünnem Eis, weil systembedingtes Unrecht dort zu ahnden war, wo international geschützte Rechtsgüter missachtet wurden. Historisches Unrecht besteht nach Michael Schefczyks Werk „Verantwortung für historisches Unrecht“ aus den Elementen 1) der gravierenden Rechtsverletzung, 2) der Zielsetzung, die Rechtsverletzung müsse natürliche Rechte betreffen, d. h. also durch Mord, Folter, Verstümmelung, Versklavung, Vertreibung, Raub begangen werden, 3) ihr muss ein politischer Charakter zu eigen sein, sowie 4) sie muss durch moralisch kompetente Akteure verübt werden …