ASIEN – Nr. 111 (April 2009)
ASIEN – Nr. 111 (April 2009)

Neuaufstellung der Regionalstudien in DeutschlandVincent J.H. Houben

ASIEN – Nr. 111 (2009) pp. 7–9

Vor einigen Jahren ist der Niedergang der Regionalstudien (area studies) in Deutschland oft diskutiert worden. Durch Stellenstreichungen und Einstellung von Lehrstühlen nach dem altersbedingten Ausscheiden des Inhabers/der Inhaberin, entstand der Eindruck, dass die außereuropäischen Studien, wovon die Asienstudien einen wichtigen Teil ausmachen, am Ende angelangt seien, weil sie im harten Konkurrenzkampf um die beschränkten Bildungsressourcen nicht bestehen konnten. Zu wenig Studenten, zu wenig Drittmitteleinwerbung, fehlende Dienstleistungsorientierung, eine philologisch orientierte Grundlagenforschung ohne Anwendungsbezug – das waren die Vorwürfe, denen sich universitäre Regionalwissenschaftler, zu Recht oder nicht, häufig stellen mussten. Manche außeruniversitäre Institute wurden dafür kritisiert, dass sie entweder zu spezialisierte, für die Öffentlichkeit unzugängliche Informationen produzierten, oder aber lediglich landeskundliche Basisinformationen bereitstellten, die ohnehin schneller und bequemer über das Internet zu besorgen seien und damit ebenfalls weitgehend ihre Existenzberechtigung verloren hatten. Schließlich meinten Globalisierungsoptimisten, dass sich bald eine Weltkultur durchsetzen werde, weshalb das Verstehen lernen von fremden Kulturen sich als Zeitverschwendung herausstellen würde, da alle Weltbürger sowieso Englisch sprechen und über ihr Konsumverhalten zunehmend homogene Interessen entfalten würden. Eine solche einheitliche Welt ließe sich am besten an Hand der universalen Theorien der systematischen Disziplinen erschließen, somit seien Regionalspezialisten überflüssig geworden…