ASIEN – Nr. 17 (Oktober 1985)
ASIEN – Nr. 17 (Oktober 1985)

Trancezustände im indonesischen RaumWolfgang M. Pfeiffer

ASIEN – Nr. 17 (1985) pp. 55–64

Hypnoide Ausnahmezustände (wofür hier die Bezeichnung „Trancezustände“ synonym verwendet wird) spielten noch um die Jahrhundertwende auch in Mitteleuropa eine erhebliche Rolle; so nahm die Psychoanalyse hiervon ihren Ausgang. Seither sind sie freilich in Psychologie und Psychiatrie so weit an den Rand des Interesses gerückt, daß sie in Vorlesungen und Lehrbüchern kaum noch Erwähnung finden. Die Völkerkunde hatte sich dagegen immer wieder mit passageren Veränderungen der Bewußtseinslage auseinanderzusetzen, wobei die amerikanische Literatur summarisch von „altered states of consciousness“ spricht (Ludwig 1969, Bourguignon 1979). Damit wurde auch die transkulturel1-vergleichende Psychiatrie in neuerer Zeit verstärkt auf derartige Phänomene verwiesen (vgl. Prince 1968)‘. In diesem Zusammenhang kommt dem indonesischen Raum besondere Bedeutung zu, denn hier wurden solche Ausnahmezustände z.T. erstmalig und differenziert beobachtet.