ASIEN – Nr. 120 (Juli 2011)
ASIEN – Nr. 120 (Juli 2011)

Chinas virtuelle Jasminblüte – eine internetbasierte Analyse der jüngsten ProtestereignisseMaria Bondes

ASIEN – Nr. 120 (2011) pp. 73–81

„Spazierengehen ist Macht! Lächeln ist Macht! Interesse zeigen ist Macht! Lasst uns eine lächelnde Revolution des Volkes gewinnen, bis die Macht dem Volk zurückgegeben wird!“ So haben unbekannte Organisatoren seit Ende Februar im Internet zu einer chinesischen Jasmin-Revolution nach arabischem Vorbild aufgerufen. In anfänglich 13 und zuletzt über fünfzig Städten sollten sich die Menschen jeden Sonntag zu „lächelnden Spaziergängen“ versammeln und so einen friedlichen Wandel in China bewirken. Nachdem größere Proteste ausgeblieben waren, schlug in den westlichen Medien vor allem die nervöse Reaktion der chinesischen Regierung Wellen. Wenngleich staatliche Medien die Gefahr politischer Tumulte wie in Arabien als „absurd“ und als „Wunschdenken“ westlicher Medien bezeichneten, reagierte die Regierung im Vorfeld der zehntägigen Sitzung des Nationalen Volkskongresses, einem politischen Großereignis, mit verschärfter Internetzensur, hoher Polizeipräsenz, Vorladungen und Verhaftungen von Aktivisten und einem ungewöhnlich harten Durchgreifen gegen ausländische Journalisten…