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Cornelia Hermanns: China und die Kulturrevolution. Der letzte lange MarschChristopher Wimmer

ASIEN – Nr. 146 (2018) pp. 135–36

Esslingen: Drachenhaus Verlag, 2016. 350 S., 29,95 EUR

Um es vorweg zu sagen: Es steht nichts Falsches in Cornelia Hermanns Buch „China und die Kulturrevolution. Der letzte lange Marsch“. Pünktlich zu deren 50. Jahrestag ist das Buch der promovierten Historikerin und freien Autorin nun im kleinen Drachenhaus Verlag erschienen. Es reiht sich damit in eine Vielzahl von Texten und Veranstaltungen ein, die die historisch einzigartigen Vorgänge in China 1966 zum Thema haben: Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong, rief zum Angriff jugendlicher „Roter Garden“ gegen den angeblich vom Kommunismus abgefallenen Staat auf. Am 16. Mai 1966 begann die Revolution mit einem zunächst internen Dokument der „Gruppe für die Kulturrevolution des Zentralkomitees“. Innere Feinde hätten Zeitungen, Rundfunk, Bücher, Lehrmaterial, Literatur, Filme, Kunst und Musik – kurz die Kultur – mit reaktionärem und kapitalistischem Gedankengut verseucht und müssten ausgelöscht werden. Gegen die Erstarrung und Korruption des Parteiapparats setzte Mao die permanente Revolution und sprach dabei insbesondere die Jugend an. Was folgte, waren Entlassungen, häufig aber auch Demütigungen, Folter und Tötungen. Die Gewalt wurde immer brutaler und willkürlicher. Der Aufstand im Sommer 1966 forderte wahrscheinlich 10.000 Tote, spätere Kämpfe zwischen den verschiedenen Fraktionen der RotgardistInnen weitere 10.000. Am Ende der Revolution sollten rund anderthalb Millionen Menschen tot sein – die meisten davon ermordet oder in den Suizid getrieben…