ASIEN – Nr. 140 (Juli 2016)
ASIEN – Nr. 140 (Juli 2016)

Daniel Leese: Die chinesische Kulturrevolution 1966–1976Felix Wemheuer

ASIEN – Nr. 140 (2016) pp. 150–51

München: Beck, 2016. 127 S., 8,95 EUR

Daniel Leese hat sich zum Ziel gesetzt, durch eine umfassende Historisierung der Mystifizierung und Instrumentalisierung der Kulturrevolution entgegenzuwirken. Zunächst stellt er fest, dass unter dem Schlagwort „umfassende Verneinung“ der Kulturrevolution durch die Partei nach 1981 eine geografische und zeitliche Differenzierung der Verantwortlichkeiten unterbunden wurde. Als Folge konnte Opfer- und Täterstatus nicht überzeugend definiert werden. Zudem sei auch die Erinnerungsliteratur von der städtischen Bevölkerung dominiert, während wir über die Erfahrungen der Landbevölkerung wenig wissen. Die Partei ließ in den 1980ern die Lokalgeschichte neu schreiben, nicht um die Kulturrevolution lückenlos aufzuklären, sondern um die Loyalität der lokalen Kader zur neuen Führung zu evaluieren. Für die Partei sei die Kulturrevolution noch zu sehr Gegenwart, um eine offene Debatte zuzulassen. Die KPCh fürchte heute die Bewegung immer noch als Bezugszugspunkt für alternative Organisationsformen und charismatische Führer. Insgesamt schätzt Leese, anknüpfend an Andrew Walder, die Todesopfer der Kulturrevolution auf 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen.