ASIEN – Nr. 91 (April 2004)
ASIEN – Nr. 91 (April 2004)

Regionalwissenschaften und die Marginalisierung der Südostasienstudien in Deutschland – eine StellungnahmeVincent J.H. Houben

ASIEN – Nr. 91 (2004) pp. 87–95

„Das Tor nach Asien steht in Berlin“. Unter diesem Motto blickte vor kurzem der Regierende Bürgermeister von Berlin mit Stolz auf die Asien-Pazifik-Wochen vom September 2003 zurück – eine erfolgreiche Veranstaltung auf den Gebieten Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft mit mehr als einer Million Besuchern. Gleichzeitig wurden jedoch die Universitäten der Hauptstadt mit einem Sparvolumen von 75 Millionen Euro bis 2009 belastet, was sich in besonderem Maße im Bereich der Asienstudien an der Humboldt-Universität niederschlagen wird. Ein Drittel der jetzigen Professuren in diesem Bereich wird dort in fünf Jahren nicht mehr existieren. Seit der Wende hat damit das Institut für Asien- und Afrikawissenschaften mehr als die Hälfte der Professuren verloren. Für die Südostasienstudien, die nur an der Humboldt-Universität und nicht an der Freien Universität vertreten sind und in dieser Form einmalig in Deutschland, bedeutet dies aller Wahrscheinlichkeit nach, dass man hinter den Rang einer „Provinzuniversität“ zurückfällt. Gleichzeitig wird die Humboldt-Universität als zukünftige Elite-Hochschule gehandelt, wobei Exzellenz von vorneherein auf bestimmte Wissenschaftsfelder beschränkt wird.