ASIEN – Nr. 121 (Oktober 2011)
ASIEN – Nr. 121 (Oktober 2011)

Taiwans Chinapolitik nach den Präsidentschaftswahlen 2012: Kontinuität oder Wandel?Malte Drewes

ASIEN – Nr. 121 (2011) pp. 46–58

Mit seinem deutlichen Wahlsieg in den Präsidentschaftswahlen am 22. März 2008 beendete Ma Ying-jeou, der Kandidat der Kuomintang (KMT), die achtjährige Amtszeit von Chen Shui-bian und seiner für die Unabhängigkeit Taiwans eintretenden Democratic Progressive Party (DPP). Mit dem Amtsantritt Mas am 20. Mai vollzog sich ein wichtiger Politikwechsel in den chinesisch-taiwanischen Beziehungen. Hatten unter Chen seit 2000 die anti-chinesischen Tendenzen auf Taiwan zugenommen und sich dadurch die Beziehungen zum Festland sukzessive verschlechtert, so priorisierte Ma von Beginn an die Volksrepublik China als wichtigsten Partner. Die DPP hatte durch ihre New „Go South“ Policy seit Juli 2002 versucht, die Abhängigkeit von China dadurch abzuschwächen, dass sie neue Anreize für Investitionen taiwanischer Unternehmen in Südostasien, Neuseeland, Indien und Australien schuf. Demgegenüber verhandelte die Administration Ma zur engeren wirtschaftlichen Kooperation und einer verbesserten Zusammenarbeit, auch in (sicherheits-)politischen Fragen, seit 2008 bereits 15 Abkommen mit dem Festland…