ASIEN – Nr. 164/165 (Juli/Oktober 2022)
ASIEN – Nr. 164/165 (Juli/Oktober 2022)

Fang Fang: Weiches Begräbnis. 软埋Thomas Weyrauch

ASIEN – Nr. 164/165 (2022) pp. 231–33

Hamburg: Hoffmann und Campe. 2022, 442 Seiten. ISBN 978-3-455-01140-1

Prima facie könnte dieser Roman auch von Mo Yan stammen. So erinnert Fang Fangs „Weiches Begräbnis“ etwa in Dramaturgie und Aufbau an Mo Yans Arbeiten, beiden ist gemeinsam, dass sie Flashbacks lieben, mit großer Mühe zeitliche Abläufe in Mosaiksteine zerschlagen, gesellschaftliche Wunden aufzeigen und oft an die Grenzen der Zensur geraten. Im Gegensatz zu Mo Yan, dem Literaturnobel- preisträger und in den Augen von Kritikern „Staatsdichter“ (so etwa Liao Yiwu), ist die Schriftstellerin Fang in den Orkus der staatlich verordneten Schmähung gefallen. Ihre Eignung für internationale Preise und Anerkennung hat sie dennoch nicht verloren…