Volker Stanzel: Aus der Zeit gefallen. Der Tenno im 21. JahrhundertAlbrecht Rothacher
ASIEN – Nr. 142 (2017) pp. 112–14
Tokyo/München: OAG, Iudicium Verlag, 2016. 88 S., 8 EUR
Es ist schön, wenn vormalige deutsche Botschafter ihre reichen Erfahrungen und ihr länderkundliches Fachwissen nicht wie üblich grummelnd zu Grabe tragen, sondern es lebendig, anschaulich und fundiert der Öffentlichkeit zugänglich machen. So geschehen im vorliegenden Fall. Der erste Teil des Bandes beschreibt kurz, prägnant und faktengespickt die Entwicklung des Tenno-Systems seit dem 6. Jahrhundert, also bei uns die Zeit des ersten fränkischen Großreichs der Merowinger, als sich die Dynastie als herrschender Klan durchsetzte, um ein paar Jahrhunderte später durch den Shogun, den militärischen Oberbefehlshaber (bei den Franken waren dies die Karolinger als major domus) beiseitegeschoben und zum politisch einflusslosen obersten Priester des Shinto mit Staatskult der Sonnengöttin Amaterasu und allerlei Fruchtbarkeitskulten und rituellen Zeremonien in einem (wie man heute noch in Kyoto sieht) für einen Kaiser recht armseligen und zugigen Palast relegiert zu werden. Zwar bestand Japan stets auf einer Gleichwertigkeit mit dem chinesischen Kaiser, doch waren er und seine Familie, zumal während des Tokugawa Shogunats (1603–1867), eher Gefangene in ihrem Palast, die mit Ritualen und der hehren Dichtkunst zwangsbeschäftigt und vom politischen Geschäft, das in Edo (Tokyo) stattfand, und rivalisierenden Klaneinflüssen ausgeschaltet wurden…








