Wu Yiching: Die andere Kulturrevolution. 1966–1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen SozialismusMatthias Hackler
ASIEN – Nr. 152/153 (2019) pp. 163–65
Wien: Mandelbaum, 2019, 354 S., 25 EUR (Übersetzung von Ralf Ruckus)
Die Diskussion über die Große Proletarische Kulturevolution ist auch vierzig Jahre nach ihrem Ende nicht abgeschlossen. Der für Peking unbequeme Einfluss der revolutionären Bewegung machte sich in den letzten Jahren besonders an zwei Beispielen bemerkbar. Einerseits wird eine tiefergehende Reflektion über die Ursprünge und Folgen der Revolution weiterhin unterdrückt. Beispielsweise als 2016 zwei Autoren in „Yanhuang Chunqiu“ eine Neuuntersuchung der Ereignisse zwischen 1966 und 1976 forderten, wurde kurz darauf das Magazin eingestellt, die Redakteure entlassen und durch linientreue Kader ersetzt. Andererseits reagiert die KPCh sehr sensibel auf unabhängige studentische und zivilgesellschaftliche Organisationen, die soziale Missstände außerhalb der Reichweite des sanktionierten Diskurses thematisieren. Dies wird am Beispiel der neo-marxistischen Studiengruppen sichtbar, die sich in den letzten Jahren an chinesischen Hochschulen gebildet haben. Diese Gruppen setzen sich für Arbeiterrechte ein und weigern sich, von KP-Organen vereinnahmt zu werden. Für beide Tendenzen kann Wu Yichings Buch „Die andere Kulturrevolution“ einen interessanten Erklärungsrahmen bieten…











