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Deutsche Gesellschaft für Asienkunde e. V. (DGA)

DGA-Roundtable-Reihe Sommersemester 20269.4.2026 {de}

Alte und neue Herausforderungen für die Asienforschung:

Relevanz, Selbstverortung und Zukunft der Regionalwissenschaften

Auch wenn man davon ausgehen könnte, dass in einer globalisierten und sich immer stärker vernetzenden Welt Regionalwissenschaften, insbesondere die Asienwissenschaften, an Bedeutung gewinnen, erleben viele regionalwissenschaftliche Fächer einen steten Rückgang der Studierendenzahlen und geraten so immer häufiger unter Druck von Seiten der Fakultäts- und Universitätsleitungen. Professuren werden gestrichen, ganze Abteilungen geschlossen und Institutsleitungen dazu angehalten, Strategien zu entwickeln, um ihre Studienprogramme attraktiver zu gestalten. Die klassischen Regionalwissenschaften geraten immer mehr unter Rechtfertigungsdruck, während von ihnen oftmals erwartet wird, dass sie am Puls der Zeit bleiben und trotz prekärer Ausstattung gleichzeitig vollumfängliche Sprachkenntnisse vermitteln und die Region auch in ihrer historischen Breite und Tiefe vertreten können. Hinzukommen technologische Entwicklungen, wie z.B. Künstliche Intelligenz, die die Lehre und Forschung erleichtern, aber auch erschweren können. Mit dieser vierteiligen Roundtable-Reihe der Deutschen Gesellschaft für Asienforschung (DGA) möchten wir Sie herzlich dazu einladen, diese alten und neuen Herausforderungen gemeinsam mit Fachvertreter:innen zu diskutieren, um als asienwissenschaftliche Fächer und Fachgesellschaft Strategien zu entwickeln, wie wir diesen Herausforderungen begegnen und auch die Politik adressieren können.

Den Auftakt (am 23. April 2026) dieser Roundtable-Reihe bildet eine kritische Bestandsaufnahme des Status Quo, die die gegenwärtigen Entwicklungen in unterschiedlichen asienwissenschaftlichen Fächern in den Fokus nimmt. Der zweite Roundtable (am 6. Mai 2026) widmet sich den Möglichkeiten und Herausforderungen, die die Einführung von Künstlicher Intelligenz in den Digital Humanities mit sich bringt. Im Fokus steht dabei die KI-gestützte linguistische Arbeit mit außereuropäischen Sprachen und Handschriften. Im Rahmen des dritten Roundtables (Juni 2026) möchten wir Ihnen unterschiedliche Beispiele vorstellen, die verdeutlichen, dass es bereits Strategien gibt, um sowohl die asienwissenschaftliche Expertise als auch Regionalwissenschaften an Universitäten sichtbarer und vor allem auch attraktiver für Studieninteressenten zu machen. Abschließend (vierter Roundtable, Juli 2026) möchten wir die Gelegenheit nutzen, um mit Kolleg:innen anderer europäischer Universitäten über die Entwicklungen der Asienwissenschaften in ihren Ländern zu diskutieren.

Im Folgenden finden Sie die Titel und Termine der weiteren Roundtables im Überblick. Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen stellen wir Ihnen zeitnah zur Verfügung und halten Sie hierzu auf dem Laufenden.

Termine Roundtables

Roundtable 1:

Zwischen Legitimationsdruck und Strukturkrise:

Die Asienwissenschaften auf dem Prüfstand

Termin: Do 23.4.26, 18:15 Uhr, Online

Teilnehmer:innen:

    • Prof. Dr. Björn Alpermann (Lehrstuhl für Contemporary Chinese Studies, Universität Würzburg)
    • Prof. Dr. Marion Eggert (Sektionsleitung Sprache und Kultur Koreas, Ruhr Universität Bochum)
    • Prof. Dr. Hans Harder (Geschäftsführender Direktor des Südasien-Instituts, Universität Heidelberg)

Moderation:

    • Prof. Dr. Carmen Brandt (Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Asienforschung)

Abstract:
Von den stetig sinkenden Studierendenzahlen in den klassischen Geisteswissenschaften sind insbesondere auch die Asienwissenschaften, die eine grundständige Sprachausbildung beinhalten, betroffen. Zwar profitieren diese Fächer auch immer wieder von popkulturellen Phänomenen, wie z.B. die Indologie und Südasienwissenschaft von dem globalen Bollywood-Boom zu Beginn der 2000er Jahre oder die Japanologie und Koreanistik von der gegenwärtigen Beliebtheit von J- und K-Pop und anderen populärkulturellen Phänomenen dieser beiden Länder unter jungen Menschen in Deutschland. Jedoch geraten diese Fächer immer öfter unter Rechtfertigungsdruck, insbesondere wenn diese Trends wieder nachlassen und zu sinkenden Studierendenzahlen führen.

Im Rahmen dieses Roundtables werden wir mit Professor:innen verschiedener Asienwissenschaften diskutieren, wie sie die gegenwärtigen Entwicklungen in ihrem Fach wahrnehmen und wie sie mit den wachsenden Herausforderungen umgehen. Wie haben sich die Studierendenzahlen und die Anzahl der Professuren und Abteilungen in der jeweiligen Asienwissenschaft in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Warum haben sich die Fachvertreter:innen damals selbst für ihr Studium entschieden und was sind die Gründe heutiger Studierender, ein asienwissenschaftliches Studium aufzunehmen? Wie schätzen sie die zukünftige Entwicklung ihres Fachs ein? Inwiefern werden sie an ihrer Universität in strukturelle Entscheidungen, die ihr Fach betreffen, einbezogen? Wo sehen sie momentan die größten Probleme in den Asienwissenschaften und wie gehen sie mit diesen um?

Roundtable 2:

Digital Humanities und Künstliche Intelligenz in den Regionalwissenschaften

Termin: Mi 06.05.2026, 17:30 hybrid Event im Saal/großem Konferenzraum

ZMO Berlin
Leibniz-Zentrum Moderner Orient
Kirchweg 33
14129 Berlin
Germany

Referent: Dr. Frédérick Madore (Historian, Digital Humanities & AI, Data Curator, Universität Bayreuth)
Moderation: Dr. Max Arne Kramer

Title

Dormant Digital Collections, AI Triage: Lessons from the Islam West Africa Collection and Beyond

Abstract

Recent advances in large language models (LLMs) have significantly improved AI capabilities for non-Western languages and scripts. Drawing on my experience building and curating the Islam West Africa Collection (IWAC), a digital repository of over 14,500 newspaper articles and archival documents in French, English, Arabic, Hausa, and Ewe, I present a practical walkthrough of an AI-assisted research pipeline: from raw scans to interactive visualisation. The challenges I encountered with West African sources have direct parallels for scholars working with Asian languages and scripts.

I outline three stages of a „datafication“ workflow: (1) text extraction through OCR and HTR, where multimodal LLMs increasingly outperform traditional engines on degraded documents in non-Western scripts; (2) data enrichment, including named entity recognition; and (3) data visualisation, where scholars without programming expertise can use AI-assisted coding to build interactive dashboards and explore their data.

I demonstrate this workflow through a sentiment analysis dashboard analysing how 12,000+ IWAC newspaper articles portray Islam across five West African countries. Featuring temporal trends, cross-country comparisons, and multi-model agreement metrics, the dashboard was developed without writing manually a single line of code, through iterative dialogue with AI assistants. I also introduce Google’s NotebookLM for source analysis and synthesis.

Where Arlette Farge (2013) located the „allure“ of the archive in the slow, tactile encounter with the document, AI offers a pragmatic complement: rapid triage of the ever-growing personal collections of scans that scholars accumulate, serving as an intuition pump for thinking with sources rather than automating their consumption. Rather than a theoretical discussion, this talk is an invitation to experiment, turning dormant digital collections into active research instruments.

Roundtable 3:
Rette sich, wer kann: Lösungen zum Erhalt der Regionalwissenschaften

Termin: Juni 2026

 

Roundtable 4:
Internationale Lösungsansätze

Termin: Juli 2026

Auf dieser Seite halten wir Sie fortlaufend über aktuelle Informationen zur Roundtable-Reihe auf dem Laufenden und aktualisieren die Inhalte regelmäßig.